Kraftwerk Kappelerhof

Der erste Strom für die Dose

Das 1891 / 92 erbaute Kraftwerk Kappelerhof ist nicht nur das älteste grössere Flusskraftwerk des Kantons, sondern auch eine der Keimzellen der Industriestadt Baden. Die Aussicht rasch über genügend Elektrizität zu verfügen, beeinflusste zusammen mit anderen Faktoren den Standortentscheid für die in Gründung begriffene Brown Boveri. Die Generatoren des Werks stellten den ersten Auftrag für die junge BBC dar. Beim Umbau in ein modernes Kleinkraftwerk 1976 blieb eine der Maschinengruppen von 1918 / 1925 an Ort und Stelle erhalten.

Elektrizitätsgesellschaft und BBC

Die Initiative für den Bau des Kraftwerks Kappelerhof ging von den Badener Kaufleuten Louis und Carl Pfister aus. 1890 sicherten sie sich die Konzession und boten sie hierauf der Stadt an. Doch der Stadtrat zögerte. Inzwischen hatten die Brüder Kontakt zu Charles Brown und Walter Boveri aufgenommen, die vor der Gründung einer elektrotechnischen Fabrik standen. Brown und Boveri liessen sich für Baden als Standort begeistern. Das grosse Potenzial der Region an billigen Arbeitskräften, günstiges Land mit Bahnanschluss und Aussicht auf rasch verfügbare elektrische Energie überzeugte die Jungunternehmer. Nun muss­te das Kraftwerk sofort bebaut werden. 1891 wurde dafür die Elektrizitätsgesellschaft Baden gegründet. Brüder Pfister hielten die Mehrheit, die Stadt knapp 30 Prozent. Nach Ablauf einer 25jährigen Konzession (ab Inbetriebnahme 1892) ging die Elektrizitäts­gesellschaft 1917 / 18 an die Stadt über. Das kommunale Unternehmen konstituierte sich als Städtische Werke Baden.

Dampfpressen und Stromverbund

Die Nachfrage nach elektrischer Energie übertraf die Erwartungen. Das Werk Kappelerhof nahm den Betrieb 1892 mit zwei Maschinen auf und war1896 mit vier Maschinen voll ausgebaut. 1898 musste ein Dampfkessel angeschafft werden, um während Verbrauchsspitzen genügend Strom produzieren zu können. 1900 wurde die Betriebs­span­nung verdoppelt, um die Leistung weiter zu steigern. Zehn Jahre nach Inbetriebnahme war das Werk nicht mehr in der Lage den Strombedarf der Stadt zu decken. Seit 1902 besteht ein Stromlieferungsvertrag mit dem Kraftwerk Beznau (später AEW).

Bildlegenden

Anlagenquerschnitt

Bauplan 1891. Die Jonval-Turbine steht auf einer vertikalen Welle. Ein Kammrad lenkt die Energie auf den horizontalachsigen Generator um.

Querschnitt Kaplan-S-Rohrturbine

Querschnitt 1976.

1 Kaplan-S-Rohrturbine
2 Planetengetriebe
3 Generator
4 Automatische Rechenreinigungsmaschine
5 Deckenlaufkran
6 Portalkran
7 Dampfbalkenlager

Ersatz Verzahnung Kammräder

Periodisch musste die hölzerne Verzahnung der Kammräder ersetzt werden. Aufnahme 1968.

Bild Werk mit Hockamin

Das Werk im Vollausbau 1898. Links die Reserve-Dampfanlage mit Hochkamin. Samt Dampfkessel betrug die Leistung 800 kW.

Bild Bau Schützenwehr

Ausbesserungsarbeiten am primitiven Nadelwehr 1892. Nach diversen Hochwasserschäden wurde das Wehr 1899 durch ein Schützenwehr ersetzt.

Meilensteine

1891 – 1892
Bau des Kraftwerks
1894 – 1896
Vollausbau auf vier Maschinengruppen
1898 Bau der Dampfkesselanlage zur Produktion von Reservestrom (1925 abge­brochen)
1899 Nadel- durch Schützwehr ersetzt
1918 Umwandlung der Elektrizitätsgesellschaft Baden in die Städtischen Werke Baden
1918 Vier neue Turbinen
1925 Vier neue Dreiphasengeneratoren
1941 Höherstau um 30 cm
1946 AEW-Unterwerk neu erstellt
1967 Ein seit 1942 verfolgtes Projekt fur ein weiter flussabwärts vorgesehenes Kraftwerk (Kappelerhof II) wird fallen gelassen, damit bleibt das Kraftwerk Kappelerhof erhalten, seine Erneuerung kann geplant werden
1976 Stilllegung des Kraftwerks von 1891 und der Maschinen von 1918 / 1925. Inbetriebnahme eines unterirdischen Maschinenhauses für eine Maschinengruppe
1977 Eröffnung des ‘Kleinen technischen Museums‘
1995 Übergang an die Limmatkraftwerke AG